1. Platz
…das sagt die Jury
Innovativste Projekte der angewandten Forschung
Medizinische Bildgebung neu gedacht: Hugo-Junkers-Preis für wegweisende MRT-Innovation
Laudatio von Dr. Jan Alberti anlässlich der Verleihung des Hugo-Junkers-Preises 2026 in der Kategorie „Innovativste Projekte der angewandten Forschung“ am 11. Juni in Magdeburg.
Sehr geehrter Herr Staatssekretär Wünsch, sehr geehrte Preisträgerinnen und Preisträger, meine Damen und Herren,
wer sich mit der Finanzierung und Begleitung innovativer Start-ups beschäftigt, begegnet immer wieder einer zentralen Frage: Wie entstehen Innovationen, und was braucht es, damit aus einer wissenschaftlichen Idee tatsächlich ein erfolgreiches Produkt wird?
Die Antwort ist keineswegs selbstverständlich. In Forschungsinstituten und Laboren entstehen jedes Jahr zahlreiche technische und wissenschaftliche Neuerungen. Doch nur ein kleiner Teil dieser Erfindungen schafft den Sprung in die Praxis. Viele vielversprechende Entwicklungen verbleiben im Stadium des Prototyps und erreichen nie die Menschen, Unternehmen oder Märkte, für die sie ursprünglich gedacht waren.
Der Weg von der wissenschaftlichen Erkenntnis zur marktfähigen Innovation ist lang und anspruchsvoll. Er erfordert nicht nur exzellente Forschung, sondern auch geeignete Rahmenbedingungen: Zugang zu Infrastruktur, Finanzierungsmöglichkeiten, starke Netzwerke sowie den Austausch zwischen Wissenschaft, Wirtschaft und potenziellen Anwendern. Innovation entsteht dort, wo diese Voraussetzungen dauerhaft zusammenkommen.
Angewandte Forschung braucht starke Ökosysteme
Gerade in technologieintensiven Bereichen reichen einzelne Forschungsprojekte häufig nicht aus. Viele Innovationen benötigen spezialisierte Großgeräte, langfristige Entwicklungsarbeit und enge Kooperationen zwischen Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen. Sie entstehen in Strukturen, die über Jahre hinweg Wissen, Kompetenzen und Ressourcen bündeln.
In Sachsen-Anhalt hat sich ein solches Umfeld erfolgreich etabliert. Über mehr als ein Jahrzehnt hinweg ist hier ein Forschungsökosystem gewachsen, das Wissenschaft, medizinische Praxis und Industrie eng miteinander verbindet. Es schafft die Voraussetzungen dafür, dass wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur gewonnen, sondern auch in konkrete Anwendungen überführt werden können.
Doch selbst die beste Infrastruktur allein erzeugt noch keine Innovation.
Entscheidend sind die Menschen, die bereit sind, neue Wege zu gehen. Menschen, die bestehende Lösungen hinterfragen, die Herausforderungen erkennen, wo andere Gewohnheiten sehen, und die den Mut haben, sich mit etablierten Technologien und globalen Märkten zu messen.
Genau diese Eigenschaften zeichnen das Team aus, das wir heute ehren.
Neue Wege in der medizinischen Bildgebung
Die Forschenden haben sich einer Technologie gewidmet, die weltweit aus der modernen Medizin nicht mehr wegzudenken ist: der Magnetresonanztomografie, kurz MRT.
MRT-Untersuchungen gehören zu den wichtigsten bildgebenden Verfahren der Medizin. Sie ermöglichen präzise Diagnosen und sind in Kliniken und medizinischen Einrichtungen rund um den Globus unverzichtbar. Gleichzeitig sind die technischen Anforderungen hoch, die Systeme kostenintensiv und viele Komponenten in ihrer bisherigen Form aufwendig in Herstellung und Anwendung.
Statt bestehende Lösungen lediglich schrittweise weiterzuentwickeln, hat das ausgezeichnete Team eine grundlegende technologische Neuerung geschaffen. Mit kabellosen MRT-Spulen wurde ein Ansatz entwickelt, der das Potenzial besitzt, Untersuchungen effizienter zu gestalten, die Bildqualität zu verbessern und gleichzeitig die Nutzbarkeit und Wirtschaftlichkeit weiter zu erhöhen.
Besonders bemerkenswert ist dabei die internationale Relevanz der Entwicklung. Die Technologie eröffnet nicht nur Perspektiven für hochmoderne Gesundheitseinrichtungen, sondern kann langfristig auch dazu beitragen, medizinische Bildgebung in Regionen zugänglicher zu machen, in denen entsprechende Diagnostik bislang nur eingeschränkt verfügbar ist.
Die Innovation steht damit beispielhaft für das, was angewandte Forschung leisten kann: Sie verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit konkretem gesellschaftlichem Nutzen und schafft Lösungen für reale Herausforderungen.
Auszeichnung für ein herausragendes Forschungsprojekt
Meine Damen und Herren,
das heute ausgezeichnete Projekt zeigt eindrucksvoll, wie aus einem leistungsfähigen Innovationsökosystem, wissenschaftlicher Kompetenz und unternehmerischem Denken eine Entwicklung entstehen kann, die weit über die Grenzen Sachsen-Anhalts hinaus Wirkung entfalten kann.
Der erste Platz des Hugo-Junkers-Preises 2026 in der Kategorie „Innovativste Projekte der angewandten Forschung“ geht an das Team des Forschungscampus STIMULATE der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg:
Robert Kowal, Ivan Vogt, Lucas Knull und Dr. Daniel Düx für das Projekt „Scanatiq – Kabellose Magnetresonanztomografie (MRT)-Spulen“.
Dem gesamten Team meinen herzlichen Glückwunsch zu dieser herausragenden Leistung.