1. Platz

…das sagt die Jury

Innovativste Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle

Fotos: © Tobias Tanzyna · Preisverleihung am 11. Juni 2026 in Magdeburg

6.000 Jahre Gießereigeschichte neu gedacht: Hugo-Junkers-Preis 2026 für innovative 3D-Druck-Technologie

Laudatio von Hans-Peter Kemser anlässlich der Verleihung des Hugo-Junkers-Preises 2026 in der Kategorie „Innovativste Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle“ am 11. Juni in Magdeburg.

Sehr geehrter Herr Minister, lieber Herr Willingmann, sehr geehrte Preisträgerinnen und Preisträger, meine Damen und Herren,

wenn wir heute über Innovation sprechen, denken viele zuerst an Künstliche Intelligenz, Digitalisierung oder die Fabrik der Zukunft. Doch jede große Innovation beginnt mit einer einfachen Frage: Warum machen wir etwas eigentlich noch immer so wie bisher?

Ein Blick in die Geschichte zeigt, wie grundlegend diese Frage sein kann. Seit mehr als 6.000 Jahren gießen Menschen Metall. Die Verfahren wurden immer präziser, die Werkstoffe leistungsfähiger und die Produkte komplexer. Eines jedoch blieb über Jahrtausende nahezu unverändert: Wer etwas gießen wollte, benötigte Werkzeuge.

Werkzeuge sind die Grundlage klassischer Fertigungsprozesse. Sie ermöglichen Präzision und Wiederholbarkeit, bringen jedoch auch Grenzen mit sich. Ihre Herstellung kostet Zeit und Ressourcen. Sie schränkt die Flexibilität ein und kann bei hochkomplexen Bauteilen zum Innovationshemmnis werden. Gerade in einer Zeit, in der Entwicklungszyklen immer kürzer und die Anforderungen an Produkte immer anspruchsvoller werden, stellen sich deshalb neue Fragen an die industrielle Fertigung.

Genau hier setzt die Innovation an, die wir heute auszeichnen.

Von der digitalen Idee zum industriellen Bauteil

Die ausgezeichnete Technologie denkt einen zentralen Prozess der Gießereiindustrie grundlegend neu. Hochkomplexe Sandkerne, die für die Herstellung anspruchsvoller Gussteile unverzichtbar sind, werden nicht mehr mithilfe aufwendig gefertigter Kernkästen produziert. Stattdessen entstehen sie direkt aus digitalen Daten.

Was zunächst wie eine Evolution bestehender Verfahren erscheinen mag, ist in Wahrheit ein Paradigmenwechsel. Geometrische Einschränkungen werden weitgehend aufgehoben, Entwicklungszeiten deutlich verkürzt und neue Freiräume für Konstruktion und Produktentwicklung geschaffen.

Dabei liegt die eigentliche Innovationsleistung nicht allein im Einsatz des 3D-Drucks. Additive Fertigungstechnologien sind seit vielen Jahren bekannt. Die entscheidende Herausforderung besteht darin, sie aus der Welt der Prototypen in die industrielle Serienfertigung zu überführen.

Genau diese Herausforderung hat das Preisträgerteam erfolgreich gelöst.

Mit herausragender Ingenieursarbeit wurde ein hochautomatisiertes Binder-Jetting-System entwickelt, das heute zu den leistungsfähigsten seiner Art weltweit zählt. Wo bislang die Herstellung eines Sandkerns etwa eine Stunde beanspruchte, kann heute ein Kern innerhalb einer Minute produziert werden. Wo früher zahlreiche manuelle Arbeitsschritte erforderlich waren, ermöglicht heute eine durchgängige Automatisierung einen robusten und zuverlässigen Serieneinsatz.

Dies ist nicht nur eine technische Verbesserung, sondern ein echter Technologiesprung.

Ganzheitliche Innovation entlang der Wertschöpfungskette

Besonders beeindruckend ist dabei der umfassende Ansatz des Projekts. Die Innovation beschränkt sich nicht auf den eigentlichen Druckprozess. Vielmehr wurde die gesamte Wertschöpfungskette neu gedacht: von der Aufbereitung der Rohstoffe über die automatisierte Produktion bis hin zur Qualitätssicherung und zur Rückführung von Materialien in den Prozess.

Das Ergebnis sind effizientere Abläufe, ein geringerer Ressourcenverbrauch und deutlich mehr Flexibilität für Hersteller. Gleichzeitig eröffnen sich neue Möglichkeiten bei der Konstruktion zukünftiger Gussteile, die mit konventionellen Verfahren bislang nur schwer oder gar nicht realisierbar gewesen wären.

Als Werkleiter eines Automobilwerks weiß ich, wie entscheidend Produktivität, Qualität und Geschwindigkeit für industrielle Wettbewerbsfähigkeit sind. Doch echte Innovation zeigt sich nicht allein in besseren Kennzahlen. Sie zeigt sich dann, wenn neue technologische Möglichkeiten entstehen und ganze Branchen beginnen, ihre Prozesse neu zu denken.

Genau dieses Potenzial besitzt die heute ausgezeichnete Entwicklung. Sie kann die Gießereiindustrie nachhaltig verändern und stärkt zugleich die Innovationskraft des Wirtschafts- und Technologiestandorts Sachsen-Anhalt weit über die Landesgrenzen hinaus.

Auszeichnung für eine wegweisende Industrieinnovation

Meine Damen und Herren,

der Hugo-Junkers-Preis 2026 in der Kategorie „Innovativste Produkte, Dienstleistungen und Geschäftsmodelle“ wird verliehen für das Projekt

„Innovative 3D-Druck-Technologie zur automatisierten Sandkernherstellung für die Gießereiindustrie“ der Laempe Mössner Sinto GmbH.

Zu dieser herausragenden Leistung gratuliere ich dem gesamten Team sehr herzlich.

Fotos der Preisverleihung

Fotos: © Tobias Tanzyna · Preisverleihung am 11. Juni 2026 in Magdeburg